Technostress erfolgreich bewältigen: Digitalisierung aktiv gestalten

Digitale Technologien sind heute aus unserem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken und unterstützen viele Arbeitsprozesse: Sie ermöglichen orts- und zeitunabhängige Zusammenarbeit, machen Informationen schneller verfügbar, können Arbeitsabläufe effizienter gestalten und bieten somit konkrete Unterstützung für lebensphasenorientierte Arbeitsgestaltung. Wird die Einführung aber nicht ausreichend begleitet oder Mitarbeitende zu wenig in den Veränderungsprozess einbezogen, kann das dazu führen, dass sich Beschäftigte, anstatt erleichtert, überfordert fühlen. Oft entsteht dann der Eindruck, dass Technologien den Arbeitsalltag stärker bestimmen als gewünscht (RKW Kompetenzzentrum, 2026), dies führt zu sogenanntem „Technostress“. Damit bedeuten Digitalisierungsvorhaben vor allem auch organisatorische Anforderungen, die Unternehmen aktiv gestalten müssen (Chen, Wang & Zhang, 2024).

Was sind die Auslöser von Technostress?

Dass digitale Veränderungen Stress auslösen, hat viele Ursachen. Zu den häufigsten Auslösern gehören:

  • häufige Einführung neuer Programme und Systeme,
  • Informationsüberflutung durch E-Mails, Chats und digitale Plattformen,
  • ständige Unterbrechungen und Multitasking,
  • hohe Erwartungen an Erreichbarkeit und Reaktionsgeschwindigkeit,
  • Unsicherheit im Umgang mit digitalen Anwendungen oder Künstlicher Intelligenz (KI),
  • oder zunehmende Komplexität digitaler Arbeitsprozesse.

Werden diese Belastungen nicht ausreichend berücksichtigt und die unterschiedlichen Bedarfe der Mitar-beitenden berücksichtigt, können neben Stress auch Konzentrationsprobleme, mentale Erschöpfung oder sinkende Arbeitszufriedenheit entstehen. Deshalb ist es wichtig, digitale Werkzeuge so einzusetzen, dass sie Orientierung bieten und die Arbeit tatsächlich erleichtern, anstatt zusätzliche Belastungen zu schaffen, alles unter dem Blickwinkel generationengerechter Anwendungen (Workplace Health, 2024).

Digitalisierung kann auch motivieren

Neben belastenden Auswirkungen zeigen wissenschaftliche Studien, dass Digitalisierung auch positive Effekte haben kann. Dieser positive Aspekt wird als Techno-Eustress bezeichnet. Menschen erleben digitale Veränderungen häufig dann als bereichernd, wenn sie:

  • neue Kompetenzen erwerben können,
  • mehr Handlungsspielraum erhalten
  • ihre Arbeit effizienter erledigen können,
  • digitale Werkzeuge als Unterstützung wahrnehmen.

Wie sorgen wir also dafür, dass Digitalisierung einen Mehrwert schafft und nicht überfordert? – Beispiel aus der Beratungspraxis:

In einem Unternehmen der Dienstleistungsbranche sollte ein digitales Wissensmanagement eingeführt werden. Die Demografieberatung Digi+ unterstützte hierbei bei der Umsetzung. In einem partizipativen Kick-off Workshop sammelten Vertreter*innen aller Abteilungen zunächst die Bedarfe aus den einzelnen Abteilungen. Daraus entstand ein Aktionsplan für die schrittweise Einführung des Wissensmanagement-Tools, in welchem vor allem auch die laufende Kommunikation an das Team und die Einschulung der Mitarbeiter*innen berücksichtigt wurden. Durch diese Vorgehensweise entstand zeitgleich ein Teambuildingeffekt und das Tool wurde von den Mitarbeitenden gut angenommen.

Die Rolle der Führung

Führungskräfte haben einen wesentlichen Einfluss darauf, wie digitale Veränderungen erlebt werden. Ihre Aufgabe ist es, Beschäftigten Orientierung, klare Erwartungen und ausreichend Unterstützung bei Veränderungen zur Verfügung zu stellen. Besonders hilfreich sind:

  • transparente Kommunikation über Ziele und Nutzen neuer Technologien,
  • ausreichende Einarbeitungs- und Lernzeiten,
  • realistische Erwartungen an die Anpassungsgeschwindigkeit,
  • regelmäßige Möglichkeiten für Feedback und Austausch.

Eine unterstützende Führung kann Unsicherheiten reduzieren und die Bereitschaft fördern, neue Technologien auszuprobieren.

Drei Tipps für Führungskräfte

1. Beschäftigte frühzeitig einbeziehen. Testen Sie neue digitale Anwendungen vor der flächendeckenden Einführung gemeinsam mit ausgewählten Mitarbeitenden aller Altersgruppen. Nutzen Sie deren Rückmeldungen, um die Benutzerfreundlichkeit zu verbessern und konkrete Anforderungen aus dem Arbeitsalltag zu berücksichtigen.

2. Lernen und Wissenstransfer fördern. Kurze, praxisnahe Schulungen, verständliche Anleitungen und feste Ansprechpersonen helfen dabei, Unsicherheiten abzubauen. Generationenübergreifende Tandems bieten zudem die Möglichkeit, unterschiedliche Erfahrungen und Kompetenzen auszutauschen und voneinander zu lernen (Schwarzmüller, 2022).

3. Feedback systematisch nutzen. Schaffen Sie Möglichkeiten für regelmäßige Rückmeldungen aus der Belegschaft. So können Schwierigkeiten frühzeitig erkannt und digitale Arbeitsprozesse an die Bedürfnisse der Beschäftigten angepasst werden.

Wie sich digitale Technologien strukturiert und mit Blick auf die Beschäftigten einführen lassen, haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst. Unsere Checkliste unterstützt Unternehmen dabei, wichtige Aspekte der Planung, Einführung und Umsetzung systematisch zu berücksichtigen und digitale Veränderungen nachhaltig im Arbeitsalltag zu verankern.

Quellen

Chen, J., Wang, Y., & Zhang, K. (2024). Digitalization and employee stress: Evidence from workplace technology adoption. Journal of Behavioral and Experimental Economics. Online verfügbar unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2451958824001088

Schwarzmüller, T. (2022). Arbeitsplatzgestaltung im digitalen Wandel. Springer.

Workplace Health. (2024). Technostress: Wenn digitale Helfer zur Belastung werden. https://www.workplacehealth.at/technostress-wenn-digitale-helfer-zur-belastung-werden/

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